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30 September 2007

some reports about our concert in Melk (Austria) May, 2007

28th of May 2007, Stadtpfarrkirche, Melk (Internationale Barocktage Stift Melk)


Barocktage Stift Melk
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Das japanische Ensemble Ricreation d'Arcadia ließ schon nach wenigen Takten erkennen, warum es 2004 beim Premio Bonporti unter dem Juryvorsitz von Gustav Leonhardt alle Hauptpreise einschließlich dem des Publikums auf sich hatte vereingen können. Was die vier jungen Künstler auf Violine, Cello und Cembalo an brillanter Spieltechnik und emotionaler Auslotung in einem über zweistündigen Programm ohne Spannungsabfall boten, legte sich wie ein Zauberbann über die stauenden Zuhörer; auch kleinste Details wurden in ihrem Eigenwert erlebbar als Bedeutungsträger, die das spezifische Sein eines Ganzen erst eigentlich erschließen.


"Concerto" 215, August/September 2007, Das Magazin für alte Musik


Sensation aus Japan
Die größte – weil unerwartete – Sensation bot das vierköpfige Ensemble „Ricreation d'Arcadia“ aus Tokyo mit Kammermusik von Dietrich Buxtehude und seinen Zeitgenossen: Diese geschmeidige Bogenführung, mit der die beiden jungen Geigerinnen die Töne wie aus dem Nichts entstehen ließen, diese Anmut, Ruhe und Selbstverständlichkeit der Technik, diese Stilsicherheit auch im Spiel des Cembalisten Takashi Watanabe – die Zeit scheint nicht fern zu sein, da die Musiker aus Fernost uns Europäer das Fürchten lehren werden... ghjk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2007)




»Juventute«
Welch unglaublich hohes Niveau japanische Künstler in der Barockmusik erreichen, zeigen nicht nur diverse Sänger und Sängerinnen bei Monteverdi-Aufführungen der letzten Jahre, sondern vor allem das mittägliche Konzert in der Stadtpfarrkirche am Pfingstmontag, 28. Mai, mit dem Ensemble »Ricreation d’Arcadia«. Es war Dieterich Buxtehude und seinem Kreis gewidmet, dem Begründer der Lübecker Abendmusiken und einem der bedeutendsten Organisten seiner Zeit. Als einführendes, den musikalischen Gaumen kitzelndes Orgelkonfekt, spielte Leo van Doeselaar ein Präludium g-Moll von Buxtehude, dann begann der kammermusikalische Teil in erlesener Klangharmonie mit einer Battaille D-Dur von Clamor Heinrich Abel, dem Vater Christian Ferdinand Abels, einem der angesehensten Geigen- und Gambenvirtuosen des Barocks. Das junge japanische Ensemble imponierte nicht nur mit seinem wunderbaren Gefühl für ausgewogene Tempi, sondern auch mit anspruchsvoller, höchst origineller Musikauswahl. Zwei kongeniale Geigerinnen umrahmten das Cello weichen Toncharakters, von Takashi Watanabe, einem der maßgebenden japanischen Händel-Spezialisten am Cembalo begleitet. So hagelte es bereits begeisterten Applaus nach Buxtehudes inspirierter Sonata in G, BuxWV 271, mit prächtigem Violonsolo voller süßen Kantilenen, vom Cembalo zärtlich eingerahmt. Riesenapplaus ernteten die Künstler anschließend für Händels feurige Sinfonia B-Dur, HWV 339, im Allegro vor Energie berstend, mit eindringlich beseeltem Adagio und himmlischer Streicherharmonie. Johann Gottlieb Goldbergs Sonata C-Dur wurde einst JS Bach zugeschrieben, sie gleicht einem flirrenden Flug barocker Klangfarben im Alla breve, bezaubert im Largo mit wechselreichem Verflechten und Entwirren der beiden Violinstimmen und gipfelt mit einem wirbelnden Tanz im Presto der Gigue. Ayako Matsunaga bewies bei Georg Muffats Sonata Violino solo ihr großartiges geigerisches Können – auch wenn ich mir an manchen Stellen mehr Wagnis expressiver Klanggebung gewünscht hätte – und wurde am Höhepunkt des gestalterischen Spannungsbogens vom Riss der E-Saite überrascht. Der Cembalist überbrückte die Zeit des Saitenwechsels mit einem weiteren Präludium von Buxtehude, dann führten die Künstler Muffats Werk zu Ende, konnten aber natürlich die enorme musikalische Spannung des Stücks nicht restlos wieder aufnehmen. Dafür gab Buxtehudes Sonata in C, BuxWV 266, dem beeindruckenden Cellisten Takashi Kaketa die Gelegenheit, auch sein virtuoses Solospiel kredenzen zu können. Herzhafter Applaus, der weit die gängige Höflichkeit überstieg, belohnte dieses Spitzenensemble, das nicht umsonst einen der wichtigsten internationalen Wettbewerbe, den Premio Bonporti für Alte Musik, im oberitalienischen Rovereto gewonnen hat, für einen wunderbaren Musikmittag.


(Franz Szabo, http://franzszabo.fastmail.fm/musik/musik143.html)